Sevilla - Die besten Tips für ein Wochenende in Andalusien

¡Guapa! – „Du Hübsche!“, nennen die Einheimischen Sevilla, als würden sie einer schönen Frau auf der Straße hinterherrufen. Und damit ist nicht geprahlt, denn Sevilla hat einiges zu bieten: Die andalusische Hauptstadt ist geprägt von maurischen Einflüssen und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Zwischen verschlafenen Gassen und pompösen Bauwerken werdet ihr in eine bezaubernde Welt wie in einem Märchen aus 1001 Nacht entführt. Man kann sich einfach nicht vorstellen, das irgendjemand die Stadt nicht lieben wird! Hier findet ihr Tips für den perfekten Städtetrip nach Sevilla und erfahrt warum es sich auf jeden Fall lohnt länger zu bleiben bzw. bald wiederzukommen.

"Reisebock im Vollzeitjob"

“Reisebock trotz Vollzeitjob” – Wird für mich (Janne) zu “Reisebock im Vollzeitjob” denn einmal im Jahr bietet sich eine ganz besondere Gelegenheit: Es geht auf Büroreise! Für vier Tage, von Donnerstag bis Sonntag, bleiben in unserem Büro die Türen geschlossen und die Koffer werden gepackt. Es hat sich die tolle Tradition entwickelt, dass wir mit unserem Büro die schönsten Städte Europas besuchen. Nach der Reise nach Porto im November 2018, stand für 2019 die andalusische Hauptstadt Sevilla auf dem Plan. 

Da der Besuch in Sevilla im Rahmen meiner Büroreise / Gruppenreise erfolgt, ist das Rahmenprogramm teilweise etwas anders als ihr es vielleicht von uns kennt. Diese Reise ist außerdem keine reine Spaßveranstaltung, sondern dient unteranderem Weiterbildungszwecken, daher könnte es an der ein oder anderen Stelle etwas architekturlastig werden. 

Die Anreise erfolgt von Leipzig über Frankfurt, bzw. der Rückflug über München. Von den großen deutschen Flughäfen wird Sevilla nahezu täglich angeflogen. Die Flugzeit beträgt ca. zweieinhalb Stunden. 
Unsere Unterkunft, das Hotel Amadeus & La Musica* liegt im Stadtviertel Santa Cruz – dem touristischen Zentrum von Sevilla. Von hier aus kann man eigentlich fast alle wichtigen Sehenswürdigkeiten zu Fuß erreichen, abends ist es nur ein Katzensprung zu den lebendigen Bars und Restaurants der Altstadt.  Die schnuckeligen Zimmer sind alle nach Berühmtheiten der klassischen Musik benannt und entsprechend eingerichtet. Allgemein ist das Hotel* sehr liebevoll mit Musikinstrumenten dekoriert. In der Lobby steht ein Flügel der zur ein oder anderen musikalischen Einlage einlädt. Ein besonderes Highlight ist die Dachterrasse über den Dächern der Altstadt mit Blick auf die Kathedrale. Hier wird auch das leckere Frühstück serviert.

Sunset auf der Kathedrale von Sevilla

Allgegenwärtig und eigentlich von überall in der Stadt aus zu sehen, thront die Kathedrale über den Dächern der Altstadt. Gleich am ersten Abend wartet das erste Highlight der Sevilla-Reise auf uns. Wir haben die Möglichkeit uns der Stadt von oben zu nähern und uns einen ersten Überblick zu verschaffen. Dies ist ein toller Vorgeschmack auf die kommenden Tage und ich kann diese Führung auf dem Dach der Kathedrale wirklich nur jedem wärmstens empfehlen. Die Führung führt euch aus dem Kirchenraum über mehrere Ebenen bis über die Dächer der Stadt. Dabei werdet ihr auf englisch per Audioguide begleitet und erfahrt wissenswertes über die Geschichte und den Bau der weltweit drittgrößten Kathedrale. Ihr habt einen spektakulären Blick über die Stadt, bis weit über die Stadtgrenzen hinaus und seht das altehrwürdige Gemäuer aus einem ganz neuen Blickwinkel. Besonders toll ist der Rundgang bei Sonnenuntergang, die Lichtstimmung ist einfach traumhaft und lässt jedes Fotografen-Herz höher schlagen. 
Bei der Führung steigt ihr über enge Wendeltreppen hinauf, damit ihr alles wirklich genießen könnt, solltet ihr keine Platzangst oder Höhenangst haben!

Fahrradtour durch Sevilla

Es gibt kaum eine bessere Möglichkeit um sich einen Überblick über die Stadt zu verschaffen als eine Radtour. Ihr kommt gut rum und könnt überall anhalten wo es euch gefällt. Wir haben uns für eine geführte Tour entschieden und haben bei Rent a Bike Sevilla für die ganze Gruppe von ca. 20 Personen Fahrräder bekommen. Alle Fahrräder waren neu und top in Schuss. Der Mitarbeiter hat allen die Räder auf die passende Größe eingestellt und kleine Fehler in Windeseile behoben. Hier könnt ihr euch auch nur die Fahrräder ausleihen und auf eigene Faust losziehen.
Bei einer geführten Tour kommt ihr an allen wichtigen Sehenswürdigkeiten Sevillas vorbei. Ihr bekommt einen Kopfhörer und könnt gemütlich durch die Sonne cruisen während ihr auf unterhaltsame Art und Weise mit allen wichtigen Infos versorgt werdet.
Zunächst führt uns unsere Tour durch die Altstadt, vorbei am Metropol Parasol, am Kanal entlang und raus zum Expogelände von 1992. Anschließend geht es zurück über den Plaza de América, Maria Luisa Park und den Plaza de Espana von 1929. 

Expo´ 92

Die Weltausstellung fand anlässlich des 500. Jubiläums der Entdeckung Amerikas statt und stand unter dem Motto: “Das Zeitalter der Entdeckungen”. Das Expo-Gelände befindet sich etwas außerhalb der Stadt. Hier haben sich Architekturgrößen wie der spanische Architekt Santiago Calatrava (Kuwait-Pavillion) verewigt. Heute sind eine Vielzahl der alten Pavillons zu Bürogebäude umgenutzt, andere gammeln etwas unwirklich neben dem Modell einer Ariane 4 Rakete vor sich hin. 

Triana

Im Viertel Triana soll es noch etwas ursprünglicher zugehen. Es liegt auf der Flusseite gegenüber der Altstadt. Die Bewohner blicken mit Stolz auf die Tradition als Quartier der Seefahrer, Handwerker, Flamenco-Sänger und Toreros zurück. Leider konnten wir hier nicht tiefer eintauchen und sind nur am Rand den Fluss entlang gefahren. Von hier aus hat man einen tollen Blick auf die Altstadt mit der Stierkampf-Arena und den Torre del Oro. Wenn ihr ausreichend Zeit habt, solltet ihr unbedingt einen Abstecher in das Viertel machen und euch in den Gassen treiben lassen.

Plaza de América

Sevilla war der ideale Austragungsort für die Iberoamerikanische Ausstellung 1929, die den engen Beziehungen zwischen Spanien und seinen ehemaligen Kolonien gewidmet war. Denn schließlich ist Christopher Kolumbus von dort in die neue Welt aufgebrochen. Anlässlich der Ausstellung wurde im Süden der Stadt ein großes Gelände mit verschiedenen Pavillons angelegt. Darunter der Plaza de América. 

Maria Luisa Park

Der Park ist die grüne Lunge der Stadt und liegt zwischen der Plaza de América und dem Plaza Espana. Die dichten Pflanzen des Maria Luisa Parks spenden vor allem in den heißen Sommern wertvollen Schatten. Schließlich gehört Sevilla zu den heißesten Orten Europas. Davon ist im November leider weniger zu spüren, bei Temperaturen um die 10° reckt man sich nach jedem bisschen Sonnenschein. Mit seinen hohen Palmen verströmt der Park jedoch auch dann wahres Urlaubsfeeling.

Plaza de Espana

Der Plaza de Espana wurde ebenfalls anlässlich der Iberoamerikanischen Ausstellung 1929 erbaut und ist heute aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Der Platz wurde erst durch den Bau des halbkreisförmigen Gebäude gebildet, dieses öffnet sich in Richtung des Flusses und steht damit sinnbildlich für den Weg in die neue Welt. An den Wänden befinden sich gekachelte Wandbilder, die Begebenheiten und die Wappen aus den 48 spanischen Provinzen zeigen.

Skywalk auf dem Metropol Parasol

Bei der Radtour haben wir schon einen kleinen Abstecher zum Metropol Parasol (dt. städtischer Sonnenschirm) gemacht und konnten das Bauwerk von unten bestaunen. Die organische Struktur wurde als Verschattung für eine Markthalle erstellt und gilt mit einer Länge von 150 Metern, einer Breite von 70 Metern und eine Höhe von 26 Metern als größtes Holzbauwerk der Welt. Durch die lange Bauzeit und gravierenden Baukostenüberschreitungen führte es zu einigen Kontroversen in der Stadt. 
Auf den “Pilzen”, wie die Einwohner Sevillas das Bauwerk nennen befindet sich ein Skywalk (Eintritt ca. 3€). Von hier oben hat man einen tollen Blick über die Stadt und kann mit dem verrückten Gebilde im Vordergrund einige tolle Fotos schießen.

Real Alcázar Sevilla - Welcome to Dorne

Der Real Alcázar (dt. Königspalast) wird bis heute von der königlichen Familie als Wohnsitz genutzt wenn sie sich in Sevilla aufhält. Verständlich, denn der Palast und die angrenzenden Gärten verzaubern die Besucher mit aufwendigen maurischen Wandornamenten und wunderschönen bunten Keramikdekor. Zwischen exotischen Pflanzen und stolzen Pfauen wird man in eine Welt wie in 1001 Nacht entführt. Kein Wunder also, dass auch die Macher von “Game of Thrones” das Gelände als Kulisse für die märchenhafte Welt von Dorne ausgewählt haben. 

Die "Weißen Dörfer" Andalusiens

Auf einem Tagesausflug von Sevilla hatten wir die Möglichkeit einen Teil der “Weißen Dörfer” in Andalusien zu besichtigen. Ca. 2 Stunden von Sevilla entfernt befindet sich die Sierra de Grazalema, eine Gebirgslandschaft in der sich mehrere Ortschaften mit den typisch weiß gekalkten Häusern und verwinkelten Gassen angesiedelt haben. Sie erinnern an die dörflichen Strukturen die auch in Nordafrika zu finden sind. Die Ursprünge gehen auf phönizische und römische Siedlungen zurück, bis Sie vom 8. -15. Jahrhundert von den Mauren ausgebaut wurden. Später wurden wieder Kirchen auf den Fundamenten der ehemaligen Moscheen erstellt.
Schon die Anfahrt aus Sevilla ist beeindruckend. Die Landschaft ändert sich beständig. Aus dem kargen Flachland kommt man in hügelige grüne Landschaften. Zwischen den Feldern stehen Zypressen und auf den Wiesen grasen Stiere und Esel.

Zahara de la Sierra

Hoch über dem Stausee von Zahara thront die weiße Ansiedlung die man schon aus weiter Ferne sieht. Das Örtchen ist so klein, sodass man etwas außerhalb parken muss um dann durch die verschlafenen Gassen zu spazieren. Die Reste einer Burg überragen den Ort. Auf mehreren Plateaus hat man eine fantastische Aussicht auf das Umland und den Stausee. Ansonsten geht es hier, zumindest im November, beschaulich zu.

Ronda

Ronda ist die größte Gemeinde unter den “Weißen Dörfern” in Andalusien. Neben der Altstadt mit weißen Häusern und kleinen Gassen, gibt es in Ronda noch einen modernen Stadtteil. Die Hauptstraße durchquert den Ort und verbindet die beiden Ortsteile, dabei überquert sie die berühmte Brücke die auf zahlreichen Fotos zu sehen ist. Die Brücke überspannt eine hunderte Meter tiefe Schlucht, an ihrem Fuße plätschert ein Wasserfall in die Tiefe. Wer gut zu Fuß ist kann den Abstieg zum Aussichtspunkt und von dort aus zum Wasserfall wagen. 
Ronda gelang unter anderem zu Ruhm, da hier die modernen Regeln des Stierkampfes entwickelt wurden. In der Ortmitte befindet sich eine beachtliche Stierkampfarena, sowie ein dazugehöriges Museum. Besonders schön ist der Blick vom Restaurante Panorámico auf der Dachterrasse des Hotels Catalonia Ronda*. Hier dürfen nicht nur Hotelgäste den Sundowner genießen. Bei Sonnenuntergang ist es natürlich besonders voll, früh da sein – es lohnt sich.

Don´t: Flamenco Show

Wir hatten schon ein ordentliches Programm hinter uns und an dem ganzen Wochenende nur knapp vier Stunden Zeit zur freien Verfügung. Aus diesen wurden auch eigentlich nur drei und diese waren mit einem kurzen Snack auf der Dachterrasse des Hotel Amadeus* und dem Besuch des Skywalks auf dem Metropol Parasol schon recht gut gefüllt. Dementsprechend hetzten wir zu unserem Treffpunkt für den fakultativen Besuch der Flamenco Show im Museo del Baile Flamenco. Mit einem Sangria in der Hand warteten wir auf heiße Rhythmen und Leidenschaft die das Parkett zum Beben bringen sollte. Die Show in dem Museum soll schon eine der besseren sein, weniger touristisch, authentisch… Nun ja!
Zwei Sänger und ein Gitarist eröffnen das Spektakel. Die Tänzer kommen auf die Bühne und nach wenigen Sekunden wurden berechtigte Zweifel laut ob wir nicht aus Versehen die Travestieshow gebucht hatten. Man war so abgelenkt von extrem schlechtem Make-up, Polyesterkostümen aus dem nächstbesten Souvenirshop und dem dröhnenden Geräusch, was die Smart-Watch dazu brachte Alarm wegen gesundheitsgefährdendem Lärms zu schlagen, dass man die eigentliche tänzerische Leistung gar nicht mehr würdigen konnte.
… So wünschte ich mir aus tiefstem Herzen, dass ich am Tag als die Frage aufkam ob wir uns eine Flamenco Show anschauen wollen einfach mal “Nein” gesagt hätte! Spart euch das und geht lieber in eine Flamenco Bar.

Restaurant & Bars:

El Pasaje de Sevilla – Tapas neu interpretiert. Sehr moderne Art Tapas zu servieren. Neben klassischen Spezialitäten hatten wir Mini-Burger und kurzgebratene Thunfischsteaks. Extrem lecker. Für Gruppenreservierungen steht ein separater Bereich mit langer Tafel zur Verfügung. PS: Die Steakkarte sah auch sehr ansprechend aus.

Pantanchón Bar de Tapas – Kleine schnuckelige Tapasbar. Große Tapasauswahl, das Essen war etwas durchwachsen. Von sehr lecker (Spezial Pantanchon – Hähnchenröllchen mit Ziegenkäse und Bacon) bis okay (Hackbällchen waren enttäuschend), aber dafür hatten wir an dem Abend total viel Spaß. Die Musikauswahl ist großartig hier wird den ganzen Abend das Best-Off der Rockclassics gespielt – mitsingen nicht ausgeschlossen.

El Pinton – Sehr schickes Restaurant mit modernem Konzept. Der Gastraum befindet sich in einem überdachtem Innenhof, das Interieur ist sehr chic und modern. Das Essen extrem lecker, vor allem die Burata und das Wildschweincarpaccio.

La Carboneria Sevilla – Sevilla ist als die Wiege des Flamencos bekannt. Doch spart euch eine der touristischen Flamenco Shows. In der Carboneria (kostenlos) gibt es eine kleine Bühne mit einheimischen Tänzern und einer Art offener Bühne. Da springt schon mal eine junge Dame in Winterjacke auf die Bühne und lässt das Parkett beben. Im gemütlichen Innenhof gibt es eine Art Biergarten der im Sommer zum verweilen einlädt. Aber Vorsicht: Bei Flamenco kennen die Spanier keinen Spaß – volle Konzentration und Ruhe bitte!

Der Städtetrip nach Sevilla ging rasend schnell vorbei. Die Stadt und die Umgebung sind so vielfältig, dass man hier locker noch länger verweilen kann. Da wir am Donnerstag erst am Nachmittag angekommen sind und am Sonntag schon nach dem Frühstück wieder zum Flughafen aufgebrochen sind, hätten wir locker noch einen Tag dran hängen müssen. Solltet ihr auch nur vier Tage Zeit haben, würde ich diese komplett für Sevilla einplanen und den Ausflug ins Umland streichen. Ich hätte mir wirklich noch sehr gern das Viertel Triana angeschaut oder mir einfach mal die Zeit genommen durch die Gassen zu schlendern und die versteckten Ecken zu erkunden. 
Da Andalusien jedoch traumhaft schön ist und einfach sein ganz eigenes Flair versprüht werden wir auf jeden Fall nochmal privat wiederkommen. Dann aber sicherlich innerhalb eines Roadtrip mit unserem Bulli… vielleicht schon nächstes Jahr!

Empfohlene Reisedauer - 4 Tage (+)

(DO 14.11.19 - SO 17.11.19)

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Reisetage
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Urlaubstage

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