Norwegen - Die schönsten Wanderungen auf Andøya, Senja, Sommarøy und den Lofoten

"Norwegen, Wanderung zum Kvalvika Beach"

Norwegen ist ein Paradies für Wanderfreunde und Outdoor-Abenteurer… Nicht das wir uns selbst als solche bezeichnen würden, denn normalerweise entscheiden wir uns bei der Frage Berge oder Meer definitiv für das Meer. Nichtsdestotrotz hat die schroffe Natur Nordnorwegen auch unser Interesse geweckt. Auch wenn wir keine Wanderfüchse sind, wollten wir es uns keinesfalls nehmen lassen Norwegen zu erkunden und so führte uns unser Roadtrip in den hohen Norden Europas.  Wir tauschten das erste mal in unserem Leben Flip-Flops gegen Wanderschuhe und machten uns auf zu einigen der atemberaubendsten Wanderungen auf Andøya, Senja, Sommarøy und den Lofoten.

Wie aus der Einleitung schon herauszulesen ist, sind wir wahrlich keine Wanderer. Unsere Wandererfahrung beschränkt sich auf Wandertage in der Schule und kleine Mini-Hikes auf Reisen. Außerdem würde ich uns, bzw. mich (Janne) nicht als wahnsinnig sportlich beschreiben. Aber keine Sorge, die meisten Wanderungen sind auch machbar wenn ihr keine Alpine-Erfahrung habt. Sie sind zwar anstrengend aber mit gesundem Menschenverstand und eingelaufenen Wanderschuhen werdet ihr sie in der Haupt- und Nebensaison sicher meistern (Vorsicht ist jedoch bei Eis und Schnee geboten). 

Kvalvika BEach Hike & Ryten auf den Lofoten

Einer der bekanntesten und schönsten Wanderungen auf den Lofoten führt euch zum Kvalvika Beach und auf den Ryten. Dabei eröffnen sich immer wieder neue und spektakuläre Ausblicke auf den Berglandschaft der Lofoten, ruhige Bergsee und traumhafte Strände. Diese Wanderung könnt ihr ganz nach euren Vorlieben gestalten. Entweder ihr macht die große Hafenrundfahrt mit Kvalvika Beach und der Gipfelbesteigung des Ryten, dabei legt ihr deutlich mehr Höhenmeter zurück oder ihr beschränkt euch auf den oberen Teil und die Panoramawanderung und genießt die Aussicht.

Vom Parkplatz aus, führen schmale Planken durch die sumpfigen Schafsweiden, danach beginnt der Aufstieg über eine Weg entlang des Berghangs. Zwischenzeitlich wechseln sich schmale Pfade über Stock und Stein mit den typischen Plankenwegen ab. Die Planken markieren den Weg und es ist verboten diese Wege zu verlassen. In den anderen Abschnitten könnt ihr euch jedoch selbstständig durchs Gelände schlängeln und die Aussicht von verschiedenen Plateaus aus genießen. Wir haben uns für die Panoramaroute entschieden und sind nicht zum Strand hinunter gewandert. Auf dem Weg zum Ryten habt ihr die beste Aussicht auf den Strand.

Auf einer Farm in Innersand befindet sich ein großes Areal mit Parkplätzen für Autos, Camper und Busse. Wer die riesige Fläche sieht, weiß wie beliebt der Hike ist. Daher heißt es im Sommer definitiv rechtzeitig vor Ort sein oder später am Abend kommen. Auch in der Nebensaison im September wurde es bei unserem Abstieg merklich voller. Um die Wanderung entspannt zu genießen lohnt es sich also auf jeden Fall außerhalb der Stoßzeiten zu kommen. 

"Norwegen, Wanderung zum Kvalvika Beach"
"Norwegen, Wanderung zum Kvalvika Beach"
"Norwegen, Wanderung zum Kvalvika Beach"

Reinebringen Hike auf den Lofoten

Die Wanderschuhe sind geschnürt und Brote geschmiert als wir an einem sonnigen Morgen unseren Bulli in Reine auf dem Parkplatz abstellen. Voller Tatendrang stiefeln wir Richtung Reinebringen Trail Head. Wenige Schritte später stehen wir vor einem Warnschild, welches den Aufstieg verbietet. Über uns kreist ein Helikopter und bringt die schweren Steinstufen auf den Gipfel. – Wegen Renovierung geschlossen, auch so kann eine Wanderung enden.

Wir verlassen die Lofoten also ohne selbst auf dem berühmten Berg mit dem fantastischen Blick über Reine und die Schären der Lofoten gewesen zu sein. Dennoch gehört die Besteigung zum Gipfel des Reinebringen zu den Wanderungen die auf jeden Fall auf eure Lofoten-Bucketlist gehören. 1730 Stufen heißt es zu erklimmen doch die Aussicht, so sagt man, soll für alle Strapazen entschädigen. Vom Parkplatz in Reine startet die Tour, es führt ein schmaler Weg am Meer entlang bis zum Beginn der Sherpatreppe (Reinebringen Trail Head). Der Weg führt auf dem gleichen Strecke zurück. 

"Norwegen, Hafen von Reine mit Reinebringen im Hintergrund"

TindsTinden Hike auf den Lofoten

Glück im Unglück kann man sagen, denn den Tindstinden Hike hätten wir vermutlich nie entdeckt, wäre der Reinebringen nicht  geschlossen gewesen. Er zählt unserer Meinung nach noch zu den Geheimtipps auf den Lofoten und steht seinem berühmten Bruder in nichts nach. Denn auch hier habt ihr einen fantastischen Blick auf die Schären der Lofoten und das kleine Dörfchen Sørvågen am Fuße des Gipfels. 

Ihr startet eure Wanderung auf dem Parkplatz am Fuße des Bergs. Der Anstieg beginnt leicht und führt euch vorbei an einem Wasserfall, über kleinere Flussläufe und einem Bergsee. Im weiteren Verlauf der Wanderung wird der Anstieg steiler und der Weg rutschiger. Wasserdichte Wanderschuhe sind definitiv Pflicht. Das Moos wir im Herbst matschig und man muss auf jeden Fall trittsicher sein um gut voran zu kommen. Auf dem Weg zum Gipfel eröffnen sich auf kleinen Plateaus immer wieder traumhafte Blickwinkel auf die Landschaft. Wer den Gipfel erreicht sieht den letzten Zipfel der Lofoten und das eisige Nordmeer am Horizont.

"Norwegen, Goldener Herbst am See"
"Norwegen, Ausblick vom Tindstinden"
"Norwegen, Ausblick vom Tindstinden"

Festvågtind Hike auf den Lofoten

Die Wanderung zum Festvågtind in Henningsvær ist eine der berühmtesten und beeindruckendsten auf den Lofoten. Auf dem Gipfel werdet ihr nach den Strapazen des Aufstiegs mit einer fantastischen Aussicht auf Henningsvær und die vorgelagerten Schären belohnt. Die Wanderung startet an der Straße, hier befinden sich drei Parkplätze die auch noch in der Nebensaison im September stark frequentiert sind. Der Einstieg zur Wanderung befindet sich in der Nähe des mittleren Parkplatzes. Hier führt ein Trampelpfad durchs Gebüsch und ihr steht vor einem Geröllfeld mit ziemlich großen Felsbrocken über die ihr drüber klettern müsst. Der weitere Anstieg windet sich Serpentinenartig über kleineres Geröll den Berg hinauf.

Eigentlich wird die Wanderung immer wieder als anstrengend aber einfach beschrieben. Bei uns war allerdings der Wurm drin. Wir haben irgendwie nicht den richtigen Einstieg gefunden. Der Weg durch die großen Felsbrocken war recht unübersichtlich und mit einiger Kletterei verbunden. Hochkommen ist oft das eine, aber wieder runterkommen das andere. Auch der Pfad über das kleinere Geröll sah von unten recht anspruchsvoll aus, dort gibt es keine Möglichkeit beim abrutschen Halt zu finden. Somit würden wir die Wanderung nur empfehlen wenn ihr trittsicher seid und über Wandererfahrung in derartigem Gelände verfügt. Hätten wir einen guten Einstig gefunden wären wir vielleicht auch weiter gekommen, leider mussten wir jedoch abbrechen. Safety first!

"Norwegen, Henningsvaer mit Festvagstind im Hintergrund"

Küstenwanderung zwischen Unstad und Eggum auf den Lofoten

Auch diese Wanderung könnt ihr ganz nach euren Vorlieben gestalten. Entweder ihr startet in Eggum oder in Unstad, wandert den ganzen Weg oder nur einen Abschnitt. Start und Ziel sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, sodass ihr mit dem Bus zurück an euren Startpunkt kehren könnt ohne die Route zweimal zu gehen. Wir sind am Morgen ein Teilstück von Unstad aus gegangen. Der Ort liegt malerisch in einer Bucht, umgeben von schroffen Berghängen. Er ist vor allem bei Surfern beliebt, hier befindet sich nämlich das Arctic Surf Camp.

Vom Campingplatz aus startet ihr eure Wanderung über Schafsweiden und spaziert entlang der Bucht von wo aus ihr die Surfer beobachten könnt. Dann schlängelt sich der Pfad über Stock und Stein die Küste entlang. Dabei solltet ihr auf jeden Fall schwindelfrei sein. Der Blick auf die Küste ist besonders schön wenn am Morgen die Sonne über die Gipfel scheint. Richtung Eggum fällt der Pfad auf Meeresebene ab.

"Norwegen, Küstenwanderung Unstad"

Leuchtturm Runde von Bleik auf Andøya

Bei dieser leichten Wanderung könnt ihr die Umgebung von Bleik erkunden. Ihr startet in dem kleinen Ort und spaziert vorbei an bunten Holzhäusern und Fischerkänen, bis ihr schließlich an traumhaften Sandstränden die Küste entlang wandert. Die Strände von Bleik bzw. Andøya können locker mit denen in der Karibik mithalten. Der Sand ist schneeweiß und puderzuckerweich, das Wasser klar und strahlend blau. Wäre der kalte Nordwind nicht, hätte man direkt Lust ins Meer zu springen. Am Horizont thront der Puffin-Felsen vor der Küste.

Nach ca. der Hälfte des Weges verlasst ihr die Küste und wandert durch das Naturschutzgebiet. Im Herbst bilden die kräftigen Orangetöne einen tollen Kontrast zum Blau des Atlantiks. Der Weg führt über kleine Hügel auf und ab, bis ihr am Ufer des Sees entlang geht. Hier stehen die Fischer und präsentieren stolz den Fang des Tages. Eine kleine Fischkunde gibt es inklusive.

"Norwegen, Traumstrand in Bleik auf Andøya"

Åndervartnet Wanderung im Anderdalen Nationalpark auf Senja

Der Anderdalen Nationalpark zählt zu den schönsten und ruhigsten Orten auf Senja. Die Wanderung ist wirklich sehr einfach und führt größtenteils durch flaches Gelände, dafür ist sie etwas länger als die anderen. Daher solltet ihr euch auf jeden Fall mit reichlich Proviant bewaffnen, denn ihr seid einen guten halben Tag unterwegs. Vom Parkplatz am Parkeingang führt euch der Weg entlang eines barrierefreien Pfades durch die Ausläufer des Nationalparks. Links und rechts des Wege lohnt sich immer mal wieder ein Abstecher zu verschiedenen Aussichtspunkten oder Schutzhütten. Diese finden sich an verschiedenen Stellen und bieten Wanderern die Möglichkeit im Nationalpark zu übernachten.

Ein Großteil des Weges führt auf den für Norwegen typischen Holzstegen durch die sumpfige Landschaft. Da hier  in der Nebensaison im September fast völlig Einsamkeit herrscht ist der Weg leicht zu bewältigen. In der Hauptsaison kann es jedoch sein, dass ihr mehrere Stopps in den Ausweichbuchten einlegen müsst um den “Gegenverkehr” passieren zu lassen. Wir hatten das Glück an einem sommerlich, warmen Herbsttag durch den Park zu wandern, dann lässt die Sonne die Natur in feurigen Orangetönen strahlen. Kurz vor dem Åndervartnet See geht der Weg weiter durch unbefestigtes Gelände. Hier gibt es eine Schutzhütte und mehrere Möglichkeiten die Tour zu einer Mehrtageswanderung auszuweiten.

"Norwegen, Anderdalen Nationalpark"

Segla View Hike auf Senja

Der Segla View Hike ist ebenfalls eine der spektakulärsten Wanderungen im Norden Norwegens, denn hier habt ihr den atemberaubenden Blick auf die Felsformation des Segla. Also aufgepasst: Wer diese Aussicht genießen will, darf nicht zum Segla selbst wandern, sondern muss auf den Gipfel des Hesten steigen. Sprich in unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich zwei beliebte Wanderungen. Vorsicht Verwechslungsgefahr!

In Fjordgård befindet sich als Startpunkt für beide Wanderungen ein großer Parkplatz. Unmittelbar dort beginnt die Wanderung zum Segla, ihr müsst jedoch noch durch den Ort zum Hesten Trail Head gehen. Ab der Schutzhütte geht der Weg relativ schnell steil bergauf. Im Herbst ist der Pfad unter Umständen schon ausgetreten und matschig. Er  führt euch direkt zum Gipfel des Hesten. Von unten sieht das Bergmassiv gar nicht so spannend aus, aber ab einer gewissen Höhe könnt ihr die markanten Umrisse des Segla Mountain deutlich erkennen. Schon hier habt ihr einen fantastischen Blick auf den Felsen, könnt eure Wanderung allerdings noch auf den kleinen Rundweg zum Hesten-Gipfel erweitern.

"Norwegen, Segla View Hike (Hesten)"

Hillesøytoppen Hike auf Sommarøy

“Die Karibik des Norden” wird Sommarøy genannt. Wir selbst hatten etwas Pech mit dem Wetter aber können schon bestätigen, dass selbst bei miesem Herbstwetter die Grün- und Blautöne des Nordmeers sehr intensiv schimmern und an die Karibik erinnern. Man kann sich bereits vorstellen wie schön es bei klarem Himmel und Sonnenschein sein muss. Bei der Wanderung zum Hillesøytoppen habt ihr eine fantastische Aussicht auf die Inseln, Schären und die traumhaften türkisblauen Buchten.

Am besten ihr startet eure Wanderung am Hillesøytoppen Parking. Unmittelbar hinter dem Parkplatz beginnt der Aufstieg. Seile sichern den steilen Weg über die Felsen, bei Regen kann es hier schonmal rutschig werden. Nach der kleinen Kletterpartie erreicht ihr schnell den Gipfel und könnt die Aussicht genießen. Die Wanderung führt entlang eines Rundwegs. Der Abstieg ist deutlich einfacher, daher würden wir euch auf jeden Fall empfehlen die Runde in diese Richtung zu gehen. Uns kamen einige Wanderer entgegen, die wieder umkehren mussten weil der Abstieg über die Felswand zu schwierig war. Auf dem Rückweg wandert ihr dann entspannt die Küste entlang und seht das türkisblaue Meer in den Buchten schimmern.

"Norwegen, Sommarøy im Umland von Tromsø"
"Norwegen, Sommarøy im Umland von Tromsø"
"Norwegen, Sommarøy -Aufstieg zum Hillesøytoppen"

Nice to Know

Richtiges Schuhwerk: In Norwegen sind die Felsen glitschig und die Wege matschig. Vor allem im Herbst nach längeren Regenperioden habt ihr mit zertretenen Pfaden zu kämpfen. Deshalb ist festes Schuhwerk, also Wanderschuhe, auf jeden Fall Pflicht. Wir würden euch in diesem Zusammenhang auch zu wasserdichten Wanderschuhen raten.

Zwiebelprinzip: Bei den steilen Anstiegen kommt man schnell ins schwitzen. Auf dem Gipfel weht dagegen eine steife Brise und man kühlt leicht aus. Um bei Wanderungen immer gut temperiert zu sein solltet ihr euch nach dem Zwiebelprinzip kleiden. So könnt ihr je nach Bedarf Schichten an oder ausziehen.

Regenkleidung: Die letzte Schicht eurer Wanderausrüstung sollte definitiv regensicher sein. Wir hatten immer eine Regenjacke dabei und eine Regenhose im Rucksack. Diese haben wir tatsächlich nie gebraucht aber im Worstcase kann sie euch den Tag retten.

Verpflegung: Anders als in Österreich gibt es in Norwegen keine Hütten auf denen ihr euch verpflegen könnt. Ihr wandert hier oft durch völlige Einsamkeit. Deshalb solltet ihr immer eure eigene Verpflegung dabei haben. Unser Rucksack war immer prall gefüllt mit ausreichend Wasser, warmen Tee, Broten, Müsliriegeln und Obst.

Wegeführung: Auch die Wege sind in Norwegen nicht gut bzw. gar nicht markiert. Nach dem Motto “viele Wege führen nach Rom” gibt es oft mehrere Pfade um den Gipfel zu erreichen. Schaut wo vor euch schonmal jemand lang gegangen ist und mit welchem Weg ihr euch wohlfühlt. Über Stock und Stein führen die Wege immer wieder zusammen.

Intuition: Der ein oder andere Anstieg kann schon mal knifflig werden. Oft geht es steil bergan oder durch schmale Felsspalten. Andere Wege gehen schwindelerregend am Abgrund entlang. Achtet auf euch und euren Körper. Wenn ihr euch bei etwas unwohl fühlt dann dreht ggf. lieber wieder um oder brecht ab. Es gibt keine Back-up-Lösung, also keine Straßen oder Bergbahnen. Wer auf den Berg rauf geht kommt auch nur selbstständig wieder runter.

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