Norwegen - 5 Gründe für euren Roadtrip im Herbst

"Norwegen, Bulli Roadtrip im Herbst"

Der hohe Norden Europas, mit den malerischen Lofoten, Camperglück beim Freistehen unter tanzenden Nordlichtern und all der unbeschreiblichen Schönheit Nordnorwegens standen schon ewig auf unserer Reisewunschliste…
Als bekennende Schönwetter-Camper und Meeresjunkies lies uns der Gedanke an die Wetterverhältnisse, die eine Reise nach Nordnorwegen unweigerlich mit sich bringt, jedoch lange zögern bis wir endlich den Entschluss fassten uns diesen Traum zu erfüllen…

Reiseberichte über Norwegen und die Lofoten findet man im Netz reichlich, aber keiner konnte uns unsere Unsicherheiten nehmen. Wir hatten keine Vorstellung wie es sich anfühlt im Herbst nördlich des Polarkreises zu reisen. 
Hier berichten wir von unseren Erfahrungen während unseres Roadtrips von Mitte September bis Anfang Oktober, geben euch nützliche “Überlebenstipps” und machen euch Mut euren Traum von einem Nordnorwegen-Roadtrip endlich in die Tat umzusetzen.

"Norwegen, Bulli am Straßenrand"

Auf der Suche nach der perfekteN Reisezeit

Die Frage, welches die perfekte Reisezeit für Nordnorwegen ist, kann man eigentlich nur mit einem dicken fetten “Kommt drauf an!!!” beantworten… Denn der Sommer wie auch der Winter haben komplett unterschiedliche Vor- und Nachteile und bieten euch gänzlich unterschiedliche Reize und Aktivitäten. Jedoch hat sich nach langer Überlegung der Herbst für uns als die richtige Jahreszeit für unseren Camping-Roadtrip herausgestellt. Im Folgenden findet ihr einen kurzen Abriss der unterschiedlichen Jahreszeiten im Überblick. – Ist der Herbst auch für euch die perfekte Reisezeit?!

Wer im Winter nach Nordnorwegen reist, hat die besten Chancen Nordlichter zu sehen und das einmalige Naturschauspiel der Polarnacht zu erleben. Die Landschaft ist traumhaft verschneit und besondere Aktivitäten wie Schlittenhundtouren und Schneeschuhwanderungen warten auf euch. Allerdings fallen im Landesinneren die Temperaturen weit unter die Null-Grad-Marke. Wenn ihr einen Winter-Roadtrip plant, solltet ihr also auf jeden Fall über spezielle Ausrüstung verfügen.
Neugierig geworden? Jasmin und Michi von Kunstwut berichten im Zuge unseres Round Ups über ihren Winter-Roadtrip durch Norwegen und Schweden

Im Sommer wartet das gegenteilige Naturphänomen auf euch, die Mitternachtssonne! Die Tage in Nordnorwegen sind lang und ihr könnt Wanderungen bis weit in die Nacht unternehmen. So habt ihr die Möglichkeit die Zeit in Norwegen bestens auszunutzen. Die Temperaturen sind in dieser Zeit am höchsten und alle Campingplätze, Restaurants und Tourenanbieter haben geöffnet. Der Sommer ist die beliebteste Reisezeit und die Hochsaison in Norwegen konzentriert sich auf wenige Wochen im Jahr.  So ist Einsamkeit schwierig zu finden und im Voraus buchen unbedingt empfohlen!

Die Übergangsmonate bieten den perfekten Kompromiss. Allerdings hat das Frühjahr den Nachteil, das die Temperaturen nicht so schnell ansteigen und das Nordland nur langsam aus dem Winterschlaf erwacht. 
Somit kristallisiert sich der Herbst als klarer Gewinner heraus. Das Wetter ist gut genug um ausgedehnte Wanderungen zu unternehmen und sich den ganzen Tag in der Natur aufzuhalten. Außerdem habt ihr bereits ab September die Möglichkeit Nordlichter zu sehen. 
Für alle die Einsamkeit und Ruhe suchen ist der Herbst die perfekte Reisezeit. 

Unsere Erfahrungen - Nordnorwegen im Herbst

Nach dem wir euch im groben die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Reisezeiten vorgestellt haben, kommen wir nun zu unseren persönlichen Erfahrungen. Wie ist es jetzt also im Herbst nach Nordnorwegen zu reisen?
Für alle die sich immer noch fragen ob sie nördlich des Polarkreises erfrieren werden oder ob die Reise ins Wasser fällt, sei gesagt: Es war viel besser als wir es uns vorgestellt haben. Habt also keine Sorge und traut euch. Die folgenden Gründe werden euch sicherlich überzeugen euren Norwegen-Roadtrip im Herbst endlich in die Tat umzusetzen.

"Norwegen, Nordlichter über dem Bulli"

1. Das Wetter - Goldener Herbst in Norwegen

Mit dem Wetter ist es natürlich so eine Sache, man kann Glück aber auch Pech und wenn es in einem Jahr einen goldenen Herbst gibt, heißt es natürlich nicht das es im nächsten Jahr ebenfalls so ist…

Wir hatten jedoch wirklich Glück. Das Wetter war bei uns so gut wie es in dieser Jahreszeit nur hätte sein können. Wir hatten milde Temperaturen, viel Sonne und wenig Regen. In drei Wochen hat es nur zwei Tage stark geregnet. An einem dieser Tage gab es obendrein noch einen heftigen Herbststurm und wir haben die Zeit genutzt um eine größere Strecke zu fahren. An dem anderen Tag blieb uns nichts anderes als abwarten und Tee trinken. Ansonsten hat es ein- zweimal nachts geregnet oder es gab einen kurzen Schauer bzw. Nieselregen. 

Natürlich kann es auch passieren, dass euch der Wettergott nicht so wohl gesonnen ist. Für diesen Fall solltet ihr auf jeden Fall gerüstet sein. Dafür solltet ihr die passende Kleidung im Gepäck haben und in eurer Reiseroute flexibel bleiben. Da das Wetter recht wechselhaft sein kann, ist das schöne Wetter oft nur wenige Kilometer entfernt.

"Norwegen, Goldener Herbst am See"
"Norwegen, Herbst auf Senja"
"Norwegen, herbstliche Landschaft"

2. Die Temperaturen - Warme Sonnenstrahlen und Lagerfeuerromantik

Auch temperaturtechnisch hatten wir großes Glück und hatten richtig sommerliche Tage mit Sonnenschein und Temperaturen über 15°C. Klingt erstmal nicht sooooo warm, kommt einem aber viel wärmer vor. Generell gilt, man gewöhnt sich erstaunlich schnell an die niedrigeren Temperaturen. Während es euch in den ersten Tagen noch  friert steht ihr am Ende der Reise im T-Shirt draußen und zweifelt an eurer Wetter-App. “Es sind doch gerade niemals 5°C, oder doch?”

Abends wird es dann natürlich merklich kühler. An vielen Stellplätzen bieten jedoch Feuerstellen Abhilfe und sorgen für die passende Lagerfeuerromantik. 
In unserer kältesten Nacht waren es 3°C, dies war jedoch die absolute Ausnahme und oftmals lagen die Temperaturen auch nachts um die 10°C. Der Golfstrom sorgt dafür, das die Temperaturen in den Küstenregionen auch bis in den Winter relativ stabil bleiben und der Unterschied zwischen Tag- und Nachttemperatur nicht so extrem ausfällt.

"Norwegen, Warme Kleidung für den Herbst-Spaziergang"

3. Beim Campen - Je kleiner der Camper desto kuscheliger

Unsere größte Sorge vor Beginn der Reise war ob unser kleiner Bulli denn das richtige Gefährt für so ein Unterfangen ist. Wie wird es ohne Dusche und Toilette an Bord werden. Was machen wir wenn es regnet und wir viel Zeit im Camper verbringen müssen, ohne Stehhöhe und mit wenig Bewegungsfreiheit. Wird es zu kalt und wie kommen wir mit der Standheizung zurecht, die bei unserem Ausbau relativ verbaut ist, weil wir dachten wir brauchen sie eh nie.

Allen Sorgen zum Trotz hat sich alles zum positiven entwickelt und wir sind bestens zurecht gekommen. Natürlich ist ein größerer Camper mit allem Schnickschnack sicherlich das bessere Reisemobil, aber auch mit einem Minicamper könnt ihr problemlos ins Abenteuer starten!

Wir haben für euch alle wichtigen Informationen zum Campen in Norwegen in einem ausführlichen Beitrag zusammengefasst. Dort findet ihr alle Antworten zu den oben genannten Fragen und Sorgen.

"Norwegen, Freistehen mit dem Bulli"

4. Die Infrastruktur - Natur pur ohne Touristenmassen

Es sei gesagt, das Ende August die Hauptreisezeit in Norwegen definitiv vorbei ist. Der große Vorteil dabei ist natürlich, dass ihr die unendlichen Weiten und die Natur ohne Touristenmassen genießen könnt. Der Nachteil ist jedoch, das einige touristische Einrichtungen bereits geschlossen haben. Für uns war dieser Nachteil nicht so ausschlaggebend, da wir ohnehin Freistehen wollten und nicht der Typ für organisierte Touren sind. Dadurch sind wir nicht unbedingt auf die touristische Infrastruktur angewiesen. 

Das einzige was auch für uns etwas nachteilig war ist die Tatsache, dass auch einige Fährverbindungen ab Mitte September ihren Dienst einstellen. So muss man z.B. um von den Lofoten nach Andøya und von dort nach Senja zu gelangen, einen weiten Umweg über Land in Kauf nehmen. Dafür genießt ihr auf den beiden Inseln jedoch fast völlige Einsamkeit. 
Auch wenn ihr im September nicht mehr die volle Auswahl an Campingplätzen habt, müsst ihr euch nicht Sorgen, ein Teil ist weiterhin geöffnet. Da kaum mehr Touristen unterwegs sind ist dies auch völlig ausreichend und ihr müsst nicht im Vorfeld reservieren.

"Norwegen, Bulli auf dem Rastplatz Bukkekjerka"

5. Die Natur - Farbexplosionen wohin das Auge reicht

Der Indian Summer ist nicht von Nordamerika gepachtet und auch in Nordnorwegen erstrahlt die Natur in den schönsten Orange- und Gelbtönen. Die Sonne steht den ganzen Tage relativ tief und es ist quasi den ganzen Tag Golden Hour, dadurch wird alles in ein besonderes Licht getaucht ist.
Im Herbst erhöht sich die Chance Elche und Rentiere in freier Wildbahn zu sehen außerdem immens. Aber Vorsicht: Jetzt beginnt auch die Jagdsaison, achtet in der Natur also auf jeden Fall auf Warnschilder und bleibt auf den gekennzeichneten Wegen.

Für uns einer der Hauptgründe im Herbst nach Nordnorwegen zu reisen, ist die Chance Nordlichter zu sehen. Ab September ist es nachts dunkel genug um das einzigartige Naturschauspiel zu bestaunen. Wir haben an sehr vielen Abenden Nordlichter gesehen und das sogar zu humanen Uhrzeiten. Nach Sonnenuntergang gegen 21.00-22.00 begannen die grünen Lichter am Horizont zu tanzen. 

"Norwegen, Rentierherde in freier Wildbahn"
"Norwegen, Rentiere am Straßenrand"
"Norwegen, Rentiere am Straßenrand"

Wie ihr seht, hat der Herbst einen besonderen Reiz um in den hohen Norden Europas zu reisen. Mit der richtigen Ausrüstung steht eurem Camper-Roadtrip durch Nordnorwegen nichts mehr im Wege. Dazu bedarf es nicht unbedingt einem luxuriösem vollausgestatteten Wohnmobil. Auch mit dem Bulli könnt ihr euch getrost über den Polarkreis wagen. Ein paar Sachen solltet ihr jedoch im Gepäck haben um euch die Reise so angenehm wie möglich zu machen.
Eine ausführliche Packliste für findet ihr in einem separaten Beitrag.

Thermoskannen: Was unsere Großeltern schon lange wussten, eine Thermoskanne darf auf keiner Autoreise fehlen. Sei es um den ganzen Tag warmen Kaffee im Auto zu haben, einen heißen Tee auf einem windigen Berggipfel zu schlürfen oder sich nachts beim Nordlichter beobachten aufzuwärmen.

Schlafsack: Auch wenn wir normalerweise in unserem normalen Bettzeug schlafen, hatten wir zwei zusätzliche Schlafsäcke dabei. Diese sind für Temperaturen bis zu -10°C geeignet und waren in kalten Nächten einfach Gold wert. Wir hatten irgendwie das Gefühl, dass da Material die Körperwärme absorbiert und langsam wieder abgibt. So hat es teilweise gereicht wenn man sich nur auf den Schlafsack gelegt hat und mit der normalen Bettdecke zu gedeckt hat.

Wärmflasche: Für kälteempfindliche Mädels ein absolutes Must-Have, eine kuschelige Wärmflasche. Sie hält euch nachts im Bett angenehm warm und lässt euch länger beim Nordlichter gucken aushalten.

Standheizung: Wenn euer Fahrzeug über eine Standheizung verfügt ist es einfach perfekt. so könnt ihr euch vor dem Schlafen nochmal einheizen. Für alle die keine Standheizung haben der Tipp, versucht eure Route so zu planen, dass ihr abends noch mal eine längere Strecke fahrt und dabei das Auto aufheizt.

Thermomatten: Die Thermomatten für die Scheiben sind für uns unverzichtbar. Sie schützen nicht nur vor ungewollten Blicken und im Sommer vor Sonnenstrahlen. Der Effekt funktioniert auch im Winter ganz hervorragend. Durch die Thermomatten wird der Wärmeverlust über die Scheiben minimiert und euer Camper ist rund um gut isoliert.

Zwiebelprinzip: Am besten ihr stattet eure Garderobe so aus, dass ihr mehrere Schichten übereinander anziehen könnt. Bei schönem Wetter und Wanderungen wird euch schnell warm, auf den Gipfeln ist es jedoch ziemlich kalt. So könnt ihr euch schnell den Temperaturen anpassen. 

Warme Kleidung: “Man verliert die meiste Wärme über den Kopf” – ist kein Ammenmärchen. Wenn man den ganzen Tag draußen ist macht eine Mütze einen Wahnsinns Unterschied. Wir hatten Mützen, Schlauchtücher und Handschuhe immer Griffbereit. Dazu empfehlen wir eine Daunenjacke dabei zu haben und für warme Füße zu sorgen.

Regenkleidung: Als letzte Schicht solltet ihr unbedingt wasserdichte Kleidung dabei haben. Angefangen bei den Wanderschuhen, Regenhosen bzw. wasserabweisenden Wanderhosen bis hin zu einer guten Regenjacke. Dies muss nicht teuer sein, wir waren mit unserer Decathlon-Ausstattung sehr zu frieden.

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